Was zu einer guten Orgelpflege gehört
Grundsätzliches:
Die Pflege einer Orgel soll der Werterhaltung und Verbesserung dienen. Sie
sollte die Orgel vor allem betriebssicherer machen. Dazu ist ein ausführliches Gespräch mit dem Organisten und ein
Blick ins „Fehlerheftchen“ sehr wichtig. Werden Fehler oder
Verbesserungsvorschläge gefunden die nicht im Rahmen einer Pflege erledigt
werden können, sollte immer ein Verantwortlicher der Gemeinde (Pfarrer oder
hauptamtlicher Organist) darauf aufmerksam gemacht werden und die Möglichkeit
geprüft werden, ob ein schriftliches Angebot gemacht werden kann.
Das Stimmen ist nur ein Teil der Pflege. Es kann sein, dass technische Arbeiten
viel wichtiger sind, oder dass ein Nachstimmen wegen der ungünstigen
Witterungsverhältnisse sogar mehr schadet als nützt. Die Kunden haben dafür in
der Regel Verständnis, wenn es ihnen erklärt wird.
Ein gesäuberter Spieltisch hinterlässt immer den Eindruck, dass jemand mit
Sorgfalt und Umsicht gearbeitet hat.
Beim Stimmen sollte man die Pfeife immer kontrollieren ob sie ins „Zentrum“
gestimmt worden ist. Dazu fährt man kurz z.B. mit der Stimmhornspitze an der
Mündung vorbei und beobachtet, wie sich die Schwebung wieder einpendelt. Eine
Pfeife ist dann genau gestimmt, wenn sie sich sehr schnell wieder „fängt“. In
der Regel immer ein klein bisschen höher.
Ist die Raumtemperatur ausgeglichen:
Heizung eingeschaltet? Wenn ja, wie lange. Wenn nein, wie groß ist der
Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur.
Bei unausgeglichener Raumtemperatur können die Werke bzw. die Prospektregister nicht
übereinstimmen.
Motorgeräusch beobachten:
Macht der Motor tiefe Brummgeräusche, kann eine Unwucht durch eingesogenes
Papier oder eine fehlende Phase der Grund sein.
Macht der Motor hellere Geräusche, hat er möglicherweise zu wenig Öl.
Neuere Gebläse müssen nur sehr selten geölt werden, je nach Nutzungsdauer alle
5-10 Jahre. Im Zweifel kann immer ein wenig nachgeölt werden. Schnellläufer
benötigen harzfreies Haushaltsöl, Langsamläufer synthetisches Motoröl. Es ist
sinnvoll, das Ölen auf einem fest angebrachten Zettel im Motorkasten mit Datum zu
vermerken.
Gewichtsbelastete einseitige
Keilbälge:
Unbedingt die Aufgangshöhe kontrollieren. Sie sollte an der vorderen Innenfalte
angeschrieben sein.
Windprobe:
Gedeckt 8’ c3 anhalten. Fortschreitenden Cluster mit C beginnend anhalten und
zurücknehmen. Dabei die Tonhöhe von c3 beobachten.
a) Sinkt die Tonhöhe beim Herunterdrücken von C und bleibt dann relativ
konstant, so schließt das Balgventil im Ruhezustand nicht richtig. Zum Stimmen
der Orgel oder des Werkes sollte etwas Wind durch den Spund abgelassen werden.
b) Sinkt die Tonhöhe mit jedem zusätzlich gespielten Ton mehr und mehr, so ist
das Balgventil schlecht konstruiert. Zum Stimmen der Orgel oder des Werkes
sollte reichlich Wind durch den Spund abgelassen werden.
c) Sinkt die Tonhöhe mit jedem zusätzlich gespielten Ton mehr und mehr, und
steigt beim Zurücknehmen der Töne, so klemmt das Balgventil und/oder die
Mechanik.
Tastengang kontrollieren:
Er sollte nie unter 8 mm sein. In der Regel ist er zwischen 10- und 13 mm.
Falls Spannabstrakten vorhanden sind, müssen diese so angespannt sein, dass die
Tasten den oberen Anschlagfilz gerade nicht berühren. Unebenheiten im
Tastengang an den Ledermuttern ausgleichen.
Leerreise, falls vorhanden
kontrollieren:
Bei Trakturen ohne Selbstregulierung mit Bleigewichten auf den Tasten ist aus
Sicherheitsgründen Leerreise nötig. Diese darf aber nur 1-2 mm an der
Tastenvorderkante betragen.
Koppeln kontrollieren:
Werden beim Einschalten der Koppel viele Tasten heruntergezogen, kann der
Anschlag an der Koppelmechanik nachgestellt werden.
Bei allen Koppeln (wegen der Torsion bei langen Wellen mit vielen gezogenen
Registern) kontrollieren, ob das Ventil weit genug aufzieht.
Manualkoppeln sind häufig untersetzt. Auch bei genau einregulierter Koppel wird
die Taste nicht ganz heruntergezogen. Mehr als 2 mm restlicher Tastenfall
sollten es aber nicht sein.
Schleifengang kontrollieren:
Register bei angehaltenen Tönen in der zweigestrichenen Oktave einschalten und
dabei den Aufgang der Schleifen kontrollieren und ggf. korrigieren.
Stimmregister überprüfen:
Zunächst die Intonation kontrollieren. Grobe Ungleichheiten korrigieren oder
nach der Ursache suchen. In drei Oktaven (vier Töne) durchgehen und auf
Verstimmungen kontrollieren. Alle Quinten und Quarten kontrollieren. Bei
ungleichstufigen Temperaturen schweben die Quinten C-G bis H-Fis schneller als
Gleichstufig.
Wenn eine Quinte oder Quarte stark verstimmt ist, müssen alle Register
kontrolliert oder nachgestimmt werden.
Wenn die Oktave 4’ neu temperiert wird muss etwas Wind (z.B. über den Stöpsel
für die Windwaage) abgelassen werden, damit der Druck im Diskant nicht höher
ist als beim normalen Spiel. (Ist ein starker Windruckabfall bemerkt worden,
sollte der Windladenspund des entsprechenden Werkes etwas geöffnet werden,
damit ein mittlerer Windverbrauch simuliert wird.)
Bei mehreren Werken und gleichmäßiger Raumtemperatur müssen alle
4’-Stimmregister fast ohne Schwebung übereinstimmen.
Die Temperierung der Oktave 4’ lässt sich sehr gut auf ein Stimmregister des
anderen Werkes übertragen wenn immer die gleiche Lage dazu angehalten wird. Von
C – h° wird beim bereits temperierten Register dazu eine Oktave höher
angehalten, ab c1 eine Oktave tiefer.
Stimmen:
Alle übrigen Register zunächst in der Intonation kontrollieren. Grobe
Ungleichheiten korrigieren oder nach der Ursache suchen. Zu schnelle oder
langsame Töne möglichst nur am Oberlabium verändern. Danach in drei Oktaven
kontrollieren. Die verstimmten Töne notieren.
Die große Oktave in allen Registern immer nach der kleinen Oktave stimmen.
Wenn die Temperatur gleichmäßig ist und alle Werke übereinstimmen empfiehlt es
sich alle Register nach der Hauptwerk Oktave 4’ zu stimmen, wenn diese stabil
und obertönig ist.
Bei starken Verstimmungen immer nach der Ursache suchen! (Dreck, Insekten, tote
Vögel, aufgebrochene Stimmschlitze o.ä.)
Mixturen:
Mixturen mit Grundstimmen (wegen des Druckabfalls in der Kanzelle)
zunächst in drei Oktaven und danach in Quinten und Quarten kontrollieren. Die
kleine Oktave muss sehr genau gestimmt werden, da nach ihr die große Oktave
gestimmt wird. Die große Oktave muss gut mit der kleinen und der eingestrichen
Oktave übereinstimmen, da sie bei eingeschalteter Pedalkoppel beim Spiel häufig
in Oktavparallelen vorkommt.
Wird die Mixtur neu gestimmt, muss vorher die Oktave 4’ genau temperiert sein,
da sich sonst zu starke Verstimmungen der Quinten ergeben. Beim Stimmen der
tiefen Lage müssen immer ausreichend Windverbraucher mitlaufen (z.B. Bordun 16’
+ Prinzipal 8’), damit der gleiche Druck in der Kanzelle herrscht wie später
beim vollen Spiel.
Zungen:
Zungen durchstimmen und erst danach auf Gleichmäßigkeit, Ansprache und
Nebengeräusche kontrollieren. Klirrt ein Ton sehr stark, ist oft Dreck zwischen
Zungenblatt und Kehle geraten. Bevor die Zunge auseinander genommen wird,
sollte zunächst versucht werden den Dreck mit einem Papierstreifen herauszuziehen.
Dazu wird die Krücke entfernt, der Streifen zwischen Blatt und Kehle bis an den
Keil geschoben, das Zungenblatt flächig aufgedrückt und der Streifen
herausgezogen. Dieser Vorgang muss mehrer Male wiederholt werden.
Gehäuseresonanzen:
Cluster C-E mit 16’ern anhalten, um schnarrende Füllungen herauszufinden. Ggf.
mit kleinen Filzstückchen beseitigen.
Reinigen:
Tasten mit feuchtem Tuch säubern. Wenn möglich den Holzbelag der Untertasten
mit einem Öl einreiben, um das zersetzen des Holzes durch den Fingerschweiß zu
verhindern. Spieltisch mit Pinsel entstauben. (Besonders Pedaleinschubbereich
und Schwellertritt) Unter der Pedalklaviatur fegen und Spinweben und Flusen
entfernen.
Tuttitest:
Wenn alles gestimmt ist, werden alle Register und Koppeln gezogen und ein
vollgriffiger 7-töniger Akkord mit Doppelpedal chromatisch durchgespielt.
Treten starke Verstimmungen auf, kann eine Zunge umgekippt sein, die Koppeln
nicht voll durchziehen, das Rollventil nach dem Gebläse nicht weit genug
aufgehen weil die Schnur zu lang geworden ist, ein Ladenbalgventil nicht weit
genug öffnen etc.
Nichts vergessen?
Alle Werkzeuge eingepackt? Alle Spunde und Windwaagenstöpsel verschlossen?
Schlüssel abgegeben? Licht aus? Alle Füllungen zu? Unterschrift nötig? Km-Stand
aufschreiben?
Wenn nur wenig Zeit ist
Motorgeräusch beachten. Evtl. ölen.
Tastengang kontrollieren. Besonders bei Trakturen mit Leerreise den Bassbereich.
Winddruckverlauf Kontrollieren. Bei gewichtsbelasteten Keilbälgen unbedingt den angeschriebenen Aufgang einstellen.
Register bei angehaltenen Tönen in der zweigestrichenen Oktave einschalten und dabei den Aufgang der Schleifen kontrollieren.
Tastengang kontrollieren. Ausreißer nachregulieren und Spannabstrakten (falls vorhanden) nachspannen.
Bei allen Koppeln im Tutti (wegen der Torsion bei langen Wellen mit vielen gezogenen Grundstimmen) kontrollieren, ob das Ventil weit genug aufzieht.
Stimmregister in drei Oktaven (vier Töne) auf grobe Verstimmungen kontrollieren und Nachstimmen. Immer alle Quinten und Quarten kontrollieren. Wenn eine Quinte oder Quarte stark verstimmt ist, müssen alle 2’er und Mixturen nachgestimmt werden.
Alle übrigen Register einzeln, ohne Stimmregister in drei Oktaven kontrollieren. Dabei auf schnarrende Stimmrollen und rasselnde Anhängestifte achten. Bei Bedarf nur grobe Verstimmungen nachstimmen. (Verrutschte Deckel, Insekten in der Pfeife, etc.)
Mixturen zunächst in drei Oktaven kontrollieren. Nur bei starken Verstimmungen nachstimmen.
Cluster C-E mit 16’ern anhalten um schnarrende Füllungen herauszufinden. Ggf. mit kleinen Filzstückchen beseitigen.
Tasten mit feuchtem Tuch säubern. Spieltisch mit Pinsel entstauben. (Besonders Pedaleinschubbereich und Schwellertritt) Unter der Pedalklaviatur fegen und Spinweben und Flusen entfernen.