Intonation, Reiner Janke

Konzertkritik

Auszug des Berichtes von H. J. Koch aus der Schwäbischen Zeitung vom 30. 9. 1997 über das hier aufgenommene Konzertwochenende mit dem Titel "Romantisches Orgelwochenende zum Genießen".

"... Widor? 1844 in Lyon geboren, gilt als Begründer einer neuen Orgelschule in Frankreich und als einer der wegweisenden Orgel- und Kompositionslehrer seiner Zeit. Einen Großteil seines Lebens, von 1870 bis 1934, wirkte er als Organist in Paris, wo er vor sechzig Jahren starb.
Der erste Teil des Orgelwochenendes bestand aus den um 1878 entstandenen je fünfsätzigen Symphonien Nr. 5 f-moll und Nr. 6 g-moll, die nahezu alle Strömungen ihrer Zeit vereinen. Ausgangspunkt der 5. Symphonie bildet ein marschartiges Thema mit einer Reihe von Charaktervariationen, an die sich charmant-träumerische Melodien voll gefühlsseliger Stimmung anschließen, an deren krönendem Ende der packende Rhythmus der berühmten und als eigener Satz oft gespielten Toccata steht. Nach dieser "Meditationsmusik" bot der versierte Kirchenmusiker Moosmann mit der 6. Symphonie ein gewaltiges Werk voll übersprudelnden Temperaments, bei dem er sein Fingerspitzengefühl unter Beweis stellte.
Der zweite Konzertteil galt den beiden etwa zehn Jahre später entstandenen Symphonien Nr. 7 a-moll und Nr. 8 H-Dur, die ähnlich im Stil, aber komplexer verfaßt sind. Besonders die 8. Symphonie mit ihrem grandiosen Finale, von Widor selbst als Höhepunkt seines Schaffens bezeichnet, ist ein Werk ausdrucksvoller Melodiosität, das durch die motivischthematische Verknüpfung der sechs Sätze eine mitreißende Komposition von großer Dichte und Einheitlichkeit darstellt. Bei dieser herrlich-romantischen Musik konnte der Zuhörer selbstvergessen eintauchen in eine vielgestaltige Klangwelt, die die ganze Bandbreite der Klassik entfaltete.
Mit diesem spieltechnisch anspruchsvollen Orgelprogramm, das die seltene Gelegenheit von vier Widor-Symphonien präsentierte, demonstrierte der seit einigen Jahren in Zürich lebende Moosmann sein überzeugendes Können, das Sensibilität, Virtuosität und Expressivität vereint, wie auch die bestechende Klangvielfalt der neuen Orgel. Über das in doppelter Hinsicht kostbare Instrument urteilt der 37jährige Christoph Maria Moosmann, der sich schon als Schuljunge Gedanken über einen Orgelneubau in der St. Georgskirche gemacht hat : "Diese Orgel ist ein perfektes Instrument wie ich es kein zweites Mal kenne."
Dank Komponist, Interpret und der neuen Spieltechnik erlebten die zahlreichen Zuhörer an beiden Konzerttagen wahrlich ein "romantisches Orgelwochenende zum Genießen" und erhielten damit ein unvergeßliches Dankeschön der katholischen Kirchengemeinde für die großzügigen Spenden, die dem Orgelbau zugute kamen."  

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