Intonation, Reiner Janke

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Zum Inhalt der Doppel-CD

Charles - Marie Widor (1844 - 1937)

Disc 1

Symphony no. 5 f-minor          33 : 53

[01] Allegro vivace             10 : 02
[02] Allegro cantabile          06 : 14
[03] Andantino quasi allegretto 07 : 27
[04] Adagio                     04 : 36
[05] Toccata - Allegro          05 : 34

Symphony no. 7 a-minor          37 : 10

[06] Moderato                   05 : 22
[07] Choral - Andante           08 : 09
[08] Alegretto                  05 : 38
[09] Allegro ma non troppo      06 : 51
[10] Lento                      04 : 19
[11] Finale - Allegro vivace    06 : 48

                          total 71 : 03

Disc 2

Symphony no. 6 g-minor          32 : 38

[01] Allegro                    08 : 34
[02] Adagio                     08 : 38
[03] Intermezzo - Allegro       04 : 50
[04] Cantabile                  04 : 51
[05] Finale - Vivace            05 : 44

Symphony no. 8 B-major          41 : 57

[06] Allegro risoluto           08 : 02
[07] Moderato cantabile         06 : 01
[08] Allegro                    03 : 58
[09] Variations - Andante       10 : 43
[10] Adagio                     08 : 00
[11] Finale - Tempo giusto      05 : 10

                          total 74 : 35

Widor neu entdeckt

Die vier Orgelsymphonien op. 42 von Charles-Marie Widor sind für mich in erster Linie Symphonien, nicht Orgelmusik. . Ich bewundere Widors kompositorische Meisterschaft: die dichte motivisch-thematische Arbeit, die komplexe Struktur, die subtilen thematischen Beziehungen zwischen den Sätzen, seine Originalität in der Schaffung eigenständiger Formen symphonischer Komposition, so zum Beispiel die Synthese aus Variations- und Sanatensatzform im ersten Satz der fünften Symphonie, oder das großartige Gebilde des Eröffnungssatzes der achten Symphonie, wo, ähnlich wie in Beethovens Eroica, die Themen nicht eigentlich ausformuliert, sondern, selbst unmanifestiert, das polyphone Gewebe durchwirken.
Ich staune über Widors Phantasie und Einfallsreichtum in der Evokation unterschiedlichster Stimmungsbilder, etwa die Heiterkeit des Allegro cantabile der fünften, den mitreißenden Schwung der Finalsätze oder die tiefe, sich ins Dramatische steigernde Sensitivität des Adagios aus der 8. Symphonie. Und bei allem diese unglaubliche Leichtigkeit und Eleganz der Geste, clarité et esprit.
Um diesen Reichtum klanglich umzusetzen, genügen die herkömmlichen Mittel nicht: die etwas schwerfälligen Originalinstrumente mit ihren störenden Nebengeräuschen, der übermäßige Hall französischer Kathedralen und die daraus resultierende Inflation der Interpretationsmittel. Erst in der von Hartig Späth erbauten Orgel der St.Georgskirche in Riedlingen ist ein Instrument entstanden, das aufgrund der subtilen Intonation und einer Neuentwicklung in der Traktur eine so sensible und differenzierte Spielweise ermöglicht, wie es diese Musik erfordert. Die fein ausgewogenen Klänge dieses Instrumentes erlauben eine sehr direkte Aufnahmetechnik, so daß in transparentem Klangbild wirklich Musik zu hören. ist.
Die vorliegende Einspielung folgt weitgehend der bisher nahezu unbekannten Erstfassung, die stilistisch einheitlicher und prägnanter ist, und umfaßt somit neben "Greatest Hits" wie der Toccata aus der fünten Symphonie echte Trouvaillen wie die weitaus schlüssigere Erstfassung des Lento aus der Siebten Symphonie. Der unvoreingenommene Musikliebhaber wird erkennen, daß es schlichtweg nicht mehr möglich ist, diese Schmuckstücke unter den Symphonien des 19. Jahrhunderts unter dem Schlagwort "französische Orgelromantik" zu subsummieren. Die Aufnahme erfolgte in 8-Spur-Digitaltechnik.

Chr . M . Moosmann  

 

 

Diese CD ist bei col legno als col legno | edition erschienen.
Das Booklett ist viersprachig angelegt und enthällt viele schöne Detailfotos der Orgel.

 

Eine positive Rezension fand am 20.2.1999 im SWR2 in der Sendung Plattenprisma statt.  

 

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