Voraussetzung für die
Intonation einer Zunge ist immer, dass die Kehle absolut plan geschliffen ist
und dicht in der Nuss passt. Das Zungenblatt darf keine Verformungen durch das
Schneiden erlitten haben und sollte nicht in der Längsachse verdreht
sein.
Für einen guten Klang und auch für das "Funktionieren" einer Zunge ist
die Mensur mit allen Detailmaßen von wesentlich größerer Bedeutung als bei
Labialpfeifen. Besonders die Proportionen von Becherdurchmesser zu Becherspitze
und Becherdurchmesser zu Kehlen-innendurchmesser sollten sich grob an den
Proportionen Cavaillé-Colls orientieren. 1/8 für Becher/Spitze und 1/11 für
Becher/Kehle.
Mit der Bezeichnung "vorne" ist das Ende der Zunge gemeint, bei
dem der Aufwurf am höchsten ist.
Ausgangspunkt für diese exemplarische
Beschreibung ist c1 eines Trompetentones mit durchschnittlicher Mensur und
offener Parallelkehle.
Die Maße sind etwa folgende:
Becherdurchmesser innen:
70 mm
Becherspitze innen: 9 mm
Kehleninnendurchmesser: 6,5
mm
Aufwurf des Zungenblattes
Für den Aufwurf gibt es unzählige
Möglichkeiten. Es lassen sich jedoch zwei Grundtypen bestimmen. Weil sie eng mit
der dazugehörigen Mensur und einem typischen Klangbild verbunden sind, kann man
auch vom deutschen und französischen Bogen sprechen.
Der deutsche Bogen folgt
im Grunde einem exponentiellen Verlauf. Die Krümmung der Zunge beginnt ganz
allmählich am Auflagepunkt der Krücke und erreicht den stärksten Bogen am Ende
des Zungenblattes.
Der
französische Bogen beginnt in gleicher Weise, erreicht jedoch das Maximum der
Krümmung im Bereich der Hälfte bis zum vorderen Drittel des schwingenden Teiles
vom Zungenblatt. Danach nimmt der Bogen exponentiell wieder ab.
Es gibt viele Techniken ein Zungenblatt aufzuwerfen, und keine
ist für alle Fälle die Vorteilhafteste. Allen Techniken gemein sollte aber ein
Ziel sein. Das Zungenblatt muss beim Biegen auf der gesamten Breite gleichmäßig
verformt werden und das Blatt sollte, wenn man es vorne herunterdrückt,
kontinuierlich abrollen. Dieses theoretisch so klare und einleuchtende Ziel ist
in der Praxis jedoch nur sehr schwer bei jedem Ton in gleicher Weise zu
erreichen.
Ob ein Zungenblatt auf seiner gesamten Breite gleichmäßig stark
gebogen ist, lässt sich am besten anhand der Reflexion einer punktförmigen
Lichtquelle auf der konvexen Rückseite des Blattes kontrollieren. Bei einer
polierten Zunge ist dort ein heller Strich quer zum Blatt zu sehen. Ist er nicht
rechtwinklig zur Achse des Zungenblattes, so ist der Aufwurf ungleichmäßig über
die Breite verteilt. Wird der Strich viel dicker, so ist der Aufwurf an dieser
Stelle zu schwach. Bei einer optimal gebogenen Zunge verläuft der Strich über
die gesamte Länge des schwingenden Teils im rechten Winkel und ändert seine
Dicke wenig.
Ob ein Zungenblatt kontinuierlich abrollt, wird kontrolliert,
indem man die Zunge mit dem linken Finger, an der Stelle, wo die Krücke anliegt,
auf einem planen Holzklotz festhält und mit dem rechten Finger das vordere Ende
langsam herunterdrückt. Schließt sich der Spalt zwischen Zungenblatt und Klotz
beim kontinuierlichen Herunterdrücken plötzlich auf einer längeren Strecke, so
ist das Blatt vor dieser Stelle zu stark und im Bereich dieser Strecke zu
schwach gebogen. Wird die Zunge vorne ganz heruntergedrückt und hebt sich im
mittleren Bereich wieder ein Stück an, so ist das Zungenblatt im vorderen
Bereich zu stark und in der Mitte zu schwach aufgeworfen. Bei einem ausgewogen
gebogenen Blatt schließt sich der Spalt kontinuierlich und der Gegendruck auf
den Finger fühlt sich gleichmäßig an.
Bestimmung des Bourdonpunktes
Für die Überprüfung der Intonation einer
Zunge ist es zunächst nötig, sie auf den sog. Bourdonpunkt zu stimmen. Dazu wird
der Zungenton zunächst einige Töne höher als seine normale Tonhöhe gestimmt.
Danach stimmt man den Ton solange tiefer, bis er plötzlich umkippt. Die letzten
Schläge auf die Krücke vor dem Umkippen sollten ganz vorsichtig ausgeführt
werden. Ist das Zungenblatt optimal gebogen, klingt der Ton nun sehr grundtönig
ohne allzu viel Schnarren, so als würde ein Bourdon gleicher Tonhöhe dazu
erklingen. Verhält sich der Zungenton anders als eben beschrieben, so ist meist
das Zungenblatt noch nicht richtig gebogen.
Stimmt man den Ton immer tiefer,
so schmettert er immer stärker und allmählich verschwindet die Fülle (der
Bourdon). Ab einem bestimmten Punkt (ca. einem Halbton) ändert sich die
Klangfarbe plötzlich. Den Punkt kurz vor erreichen dieses Wechsels nennt man
brillianten Punkt.
Ein Zungenton sollte nie höher als der Bourdonpunkt
gestimmt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass er umkippt wenn die
Raumtemperatur einige Grade kälter wird. Ob ein Ton schon höher als der
Bourdonpunkt gestimmt ist, kann leicht geprüft werden, indem man den Becher mit
der Hand schließt und anschließend wieder öffnet. Beim Schließen sollte er in
einen höheren Ton umkippen und anschließend beim Öffnen wieder zurück in den
richtigen Ton. Erklingt er weiter zu hoch, so ist der Becher zu lang oder die
Zunge zu hoch gestimmt.
Veränderungen und Reaktionen
Zunge stärker
aufwerfen
lauter, grundtöniger, langsamere Ansprache
Der Ton
springt früher in den Bourdonpunkt, klingt dann weicher und ist
stabiler
Zunge schwächer aufwerfen
leiser, obertöniger,
schnellere Ansprache
Der Ton springt später in den Bourdonpunkt, klingt
dann schärfer und ist unstabiler
Näher zum
Bourdonpunkt
weicher, grundtöniger, leiser
Die Zunge wird sehr
stark durch die Resonanz des Bechers gedämpft. Dadurch fallen Fehler im Bogen
des Zungenblattes nicht so auf, und die Stimmung ändert sich bei einer
Veränderung der Temperatur gegenüber den Labialen weniger.
Der Zungenton wird
stärker vom Becher bestimmt.
Näher zum brillianten
Punkt
schärfer, obertöniger, lauter
Die Zunge wird nur noch
sehr schwach von der Resonanz des Bechers gedämpft. Für einen gut klingenden Ton
muss das Zungenblatt fehlerfrei gebogen sein, sonst klirrt er metallisch hart.
Durch den schwächeren Einfluss der Resonanz des Bechers ändert sich die Stimmung
gegenüber den Labialen bei Temperaturänderungen erheblich.
Der Zungenton wird
stärker vom Zungenblatt bestimmt.
Da es bisher keine
wissenschaftlichen Untersuchungen über die Funktion der Zungenstimmen gibt,
seien hier einige Überlegungen ausgeführt, die aus meiner praktischen Arbeit
herrühren.
Da ein Zungenton, anders als eine Labialpfeife, auch ohne
Resonanzkörper recht laut klingen kann, ist er nicht unbedingt auf einen
Resonator angewiesen. Bei den vielfältigen Erscheinungsformen lässt sich
vielleicht am Besten ein Grundmodell aus Dämpfung und Verstärkung
entwerfen.
Ausgehend von einem gleichmäßig gekrümmten Zungenblatt (radial
gebogen wie ein Kreisausschnitt) möchte ich zunächst einige Dämpfungs- und
Verstärkungsfaktoren aufzählen.
Dämpfung:
Exponentieller
Zungenaufwurf
Öffnungsschlitz der Kehle verkleinern
Härte der
Kehlenauflagefläche verringern (z.B. durch Leder)
Kehlendurchmesser
verengen
Bei vorhandenem
Becher:
Becherspitze
verengen
Näher zum Bourdonpunkt
stimmen
Becherdurchmesser
verkleinern
Becheröffnung
schließen
Verstärkung:
Zunge vorne flach
gebogen
Öffnungsschlitz der Kehle vergrößern
Kehlendurchmesser
vergrößern
Bei vorhandenem
Becher:
Becherspitze
erweitern
Näher zum brillianten Punkt
stimmen
Becherdurchmesser
vergrößern